Jugendmusik Steffisburg

JMS Geschichte

100 Jahre Jugendmusik Steffisburg, ein ganz kurzer Rückblick

Eine Jugendmusik wird 100 Jahre alt. Das in sich ist eigentlich ein Widerspruch, denn Jugend = jung, 100 Jahre = alt. Das waren auch die Gedanken des jetzigen Vorstandes, als man sich zum ersten Mal über dieses – auch für uns – sehr seltene Jubiläum Gedanken machten.
Eine Jugendmusik ist grundsätzlich eine in die Zukunft gerichtete Institution. Ziel so es ja sein, dass die Jugendlichen auf eine abwechslungsreiche und spannende Art das Hobby Musizieren erlernen. Ein Hobby, das man auch in weit fortgeschrittenem Alter – im Gegensatz zu diversen Sportarten – noch betreiben kann.
Trotzdem ist es uns ein Anliegen, in einem kurzen Rückblick auf die vergangenen 100 Jahre zurückzuschauen. An dieser Stelle bedanke ich mich bei unserem Ehrendirigenten Willy Jost, der aus Anlass des 75-Jahr-Jubiläums eine „Kleine Chronik aus dem Leben der Knabenmusik/Jugendmusik Steffisburg“ geschrieben hat.

Und damit sind wir schon mittendrin. Man stelle sich die Zeit um das Jahr 1907 vor. Die Industrialisierung erreichte um die Jahrhundertwende ihren Höhepunkt. Man war dank der Bahn (noch nicht dank dem Auto) mobil. Die Menschen in der Region Thun hatten vielfach Arbeit direkt oder indirekt bei den Militärbetrieben. Heute würde man wohl sagen, dass die Wirtschaft boomte, man konnte sich eventuell bereits etwas leisten. Ende des vorangegangenen Jahrhunderts entstand überall der Vereinsgedanke. Zahlreiche Blasmusik-Gesellschaften wurden auch in der Region Thun gegründet. Die Ausbildung war – an der heutigen Zeit gemessen – natürlich etwas dürftig, sobald man einigermassen Töne aus dem Blasinstrument herausbrachte, war man auch schon Mitglied der Blasmusik. Aber jede Blasmusik war ehrgeizig und wollte sich weiterentwickeln. Da kam natürlich auch die Zeit, den jugendlichen Nachwuchs in einem separaten Verein auszubilden. So stelle ich mir das vor. Auch in Steffisburg.

„Studere-Musig“/Knabenmusik Steffisburg-Station

Auf alle Fälle wurde 1907 unter Federführung eines Johann Schüpbach die „Studere-Musig“ gegründet, aus der später dann die Knabenmusik Steffisburg-Station entstand. Insgesamt 23 Knaben (Mädchen wurden erst viel später akzeptiert!) übten unter der Leitung eines Peter Hostettlers in dessen Haus im Kaliforni im Keller erste – sicher sehr – einfache Stücke. Wenn es das Wetter erlaubte, fanden die Proben im Wald an der Aare statt. An Weihnachten 1907 konnten dann erstmals bei der Holzbrücke in Steffisburg 2 Stücke aufgeführt werden. Wenn wundert’s dass es „Oh, Du fröhliche“ und „Stille Nacht“ waren.
In den nachfolgenden Jahren entwickelte sich die Knabenmusik immer weiter. Anfangs nahm man vor allem an Schulfesten teil. Ein jährliches Konzert in einem der damals noch zahlreichen Wirtshaussäle gehörte auch dazu.
Lange wurde im Wald an der Aare resp. im Keller des Wohnhauses von Peter Hostettler geübt. Später wechselte man das Probelokal in das Schulhaus Schulgässli (heute Restaurant Chamäleon), Schulhaus Kirchbühl und später in die Soldatenstube an der Zulgstrasse.
Uniformen/Tenues resp. eine Vereinsfahne gehörten damals noch nicht zu den äusseren Erkennungszeichen, waren aber auch in den ersten Jahren immer wieder ein Thema.



Knabenmusik Steffisburg, 1923 - 1974

Im Jahr 1923 fand in Steffisburg der oberländische Musiktag des Berner Oberländer Musikverbandes statt. Das war natürlich einer der Anlässe, an dem sich die Knabenmusik einer breiten, musikalischen Öffentlichkeit präsentieren konnte. Die Knabenmusik verstand es immer wieder sehr gut, sidh an solch wichtigen Anlässen teilzunehmen.
Im Jahr 1941 gab es einen Versuch, auch die Blaukreuzmusik – nebst den Gesellschaften Harmonie und Konkordia Steffisburg – zur Mitarbeit in der Jugendmusik einzubinden. Nach 5 Jahren wurde diese Zusammenarbeit wieder beendet, da die Blaukreuzmusik der Ansicht war, nicht genügend vom musikalischen Nachwuchs profitieren zu können.
Nachdem man 1944 dem – damals noch – Schweizerischen Knabenmusik-Verband beigetreten war, wurden erstmals ernsthafte Versuche für die Anschaffung einer Uniform unternommen. Aber erst 1953 hatte man genügend Geld zusammen, um 30 Uniformen (Hosen, Mütze, Kravatte und Notentasche) anzuschaffen. Das Hemd musste von jedem Musikant selber gekauft werden.
1956 war die Knabenmusik Gründungsmitglied des Kantonal-bernischen-Knabenmusik-Verbandes (heute VBJ).
Aus Anlass des 50 Jahr-Jubiläums konnte im Jahr 1957 erstmals eine Vereinsfahne angeschafft werden.
Ab 1954 nahm die Knabenmusik auch regelmässig an kantonalen und eidgenössischen Jugendmusikfesten teil.
Und dann, eine kleine Revolution. Im Jahr 1964 wurden erstmals Musikantinnen in die – immer noch – Knabenmusik aufgenommen. Es ist nicht überliefert, wie heiss die Diskussionen im Vorfeld geführt wurden. Aus heutiger Sicht darf aber klar festgehalten werden, dass dies ein sehr weitsichtiger Entscheid war. Heute sind es mehrheitlich junge Frauen, welche in den Jugendmusiken spielen.

Jugendmusik Steffisburg, seit 1974

Im Jahr 1974 erfolgte die Namens-Änderung von Knabenmusik in Jugendmusik Steffisburg. Kurz danach ein weiterer Höhepunkt im Geschehen des Vereins. Im Jahr 1976 konnte die neue – schön gelbe – Uniform eingeweiht werden. Wer erinnert sich nicht an das „Senfgelb“. Dafür war die Jugendmusik bis ins 21. Jahrhhundert berühmt/berüchtigt.
Zum Zeitpunkt der Anschaffung war das eine sehr moderne, zeitgemässe Uniform, die sicherlich auch von vielen anderen Jugendmusiken bewundert wurde.
Auch der Vorstand war der Meinung, dass er sich in Uniform stürzen müsste. Ab 1981 bis Anfang der 2000er Jahre erhielt man als Vorstandsmitglied eine braune Uniform.
Mit der Übernahme des 26. Kantonal-Bernischen Jugendmusiktages feierte die Jugendmusik 1982 pompös ihr 75-Jahr-Jubiläum.
1984 konnte die noch heute im Einsatz stehende Vereinsfahne – auch an einem grossen Fest – eingeweiht werden.
Gerade in der 2. Hälfte der 80-er und in den 90-er Jahren durchlief die Jugendmusik eine sehr schwierige Zeit. Ein Dirigentenwechsel nach dem anderen. Ein Vorstand, der dieser Situation nicht immer Herr werden konnte. Wurden 1981 noch 89 Aktivmitglieder gezählt, waren es Ende der 90-er Jahre wohl nur noch gerade 20.
Doch auch diese schwierige Zeit konnte die Jugendmusik dank dem Einsatz der jungen Musikantinnen und Musikanten, der Unterstützung der Eltern und dem Idealismus der Vorstände und Dirigenten ihr Bestehen erhalten. Seit Spätestens seit Anfang des neuen Jahrtausends ging der Weg wieder nach oben. Dieser Aufbruch wurde im Jahr 2003 mit dem Kauf der heutigen Tenuis auch nach aussen signalisiert.
1954 nahm die Knabenmusik erstmals an einem Schweizerischen Knabenmusiktreffen statt. Mit der Teilnahme am eidg. Jugendmusikfest 2008 schliesst sich für die Jugendmusik hier ein Kreis. Auch in diesem Jahr findet dieses Fest in Solothurn statt.

Bewusst habe ich in meinen Ausführungen fast auf alle Namen verzichtet. Das würde den Umfang dieses kurzen Rückblickes total sprengen. Die Jugendmusik wurde bis heute von ca. 17 Präsidenten und von über 20 Dirigentinnen und Dirigenten geleitet. Herausragend aus diesen Namen seien die Ehrenpräsidenten Manfred Blaser, Heiri Vileta, Max Jutzeler und Fritz Thierstein und der – bisher einzige – Ehrendirigent, Willy Jost erwähnt. Diese 5 Herren haben sich über Jahrzehnte in überragendem Masse für die Jugendmusik verdient gemacht. Ob es den Verein ohne ihre Mitarbeit heute noch geben würde, wage ich zu bezweifeln.

Jugendmusik 2008, wie weiter?

Die Jugendmusik Steffisburg ist heute ein gut positionierter Jugendverein. Allererste Priorität muss auch in Zukunft sein, den interessierten Jugendlichen eine spannende, abwechslungsreiche und attraktive Freizeitbeschäftigung auf einer gesunden finanziellen und organisatorischen Basis bieten zu können. Gerade die Jugendlichen sind – positiv – kritische Mitmenschen, die ernst genommen werden wollen und sich auch sehr ernsthaft damit befassen, für was es sich lohnt, seinen Einsatz zu geben. Die musikalische Ausbildung nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein. Eltern bezahlen einen nicht unwesentlichen Geldbetrag und die jungen Musikantinnen und Musikanten dürfen für dieses Geld auch etwas erwarten. Aber auch das Niveau des A-Korps muss stetig weiter ausgebaut werden. Diese Arbeit ist dem Dirigenten Ruedi Sarbach in den letzten Jahren in hervorragender Art und Weise gelungen. Die schönen Erfolge an den Musikfesten zeugen davon.
Ein Verein kostet Geld, manchmal viel Geld. Die Beschaffung der Geldmittel ist nicht nur Sache einer Kassierin. Der gesamte Vorstand ist da gefordert.

Die Jugendmusik feiert im Jahr 2032/2033 ihr 125-Jahr Jubiläum

Ob dem so ist, lässt sich heute absolut nicht voraussagen. Das grenzt an Wahrsagerei. Ob die Struktur eines Vereines in Zukunft noch sinnvoll ist, kann nicht abgeschätzt werden. Vielleicht ja, vielleicht auch nein.
Was meiner Meinung aber vorausgesagt werden kann, ist die Tatsache, dass es auch im Jahr 2032 noch Blasmusik geben wird. Ob man dazu nur noch in Projekten arbeitet oder mehr organisiert ist, spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist und bleibt die Tatsache, dass „Blasmusig fägt“ und dass der jetzige Vorstand und Dirigent aber auch zukünftig Verantwortliche sich redlich bemühen werden, weiter erfolgreich zu arbeiten.
Bei einem allfälligen 125-Jahr-Jubiläum wäre ich knapp 70 jährig. Eigentlich sollte ich das erreichen können und ich melde mich bereits heute für das Jubiläum an.